Essen in Italien: eine eigene Kultur

Kategorie: Allgemein

Speiserituale sind so vielfältig, wie die Kulturen aus denen sie stammen. Jede hat ihre ganz eigenen Präferenzen hinsichtlich dessen, was man isst, wie man isst, wo man isst und mit wem – ganz besonders die italienische Kultur. Italiener lieben gutes Essen und gemeinsames Speisen – sie zelebrieren das familiäre Mahl und dessen Bedeutungen über Beziehungen, Vertrauen und die italienische Lebensart.

In vielen Kulturen wird dem Mittagessen nicht viel Zeit gewidmet, gerade in der heutigen Zeit, in welcher Globalisierung und Digitalisierung die Uhren schneller ticken lassen. Nach spätestens 15 – 30 Minuten sitzt man wieder an seinem Schreibtisch, wenn man ihn überhaupt zur Mahlzeit verlassen hat, welche oftmals vor dem PC eingenommen wird und manchmal auch gar nicht. Ganz anders war das früher in Italien, wo man sich Zeit nahm zusammen zu kommen. In einem Land mit so viel Historie, lebte man seine Bräuche, wertschätzte sie, und pflegte la famiglia. Das ist zum Glück auch heute noch so, wenngleich auch in Italien die Zeit deutlich stärker zu spüren ist als damals, wo das Land möglichen äußeren Einflüssen noch trotzte und die Geschäfte über Mittag geschlossen hielt. Die Italiener lebten nach den Vorschriften der inneren Strukturen, erledigten ihre Einkäufe am Morgen oder am Nachmittag für den kommenden Tag und schalteten zur Mittagszeit vorübergehend die Uhren aus. Heute jedoch sind diese Strukturen den äußeren Einflüssen gewichen, haben der schnelllebigen Entwicklung Platz gemacht und Zeit dafür geopfert. Die meisten Büros und Geschäfte sind mittlerweile über Mittag geöffnet, wenngleich um diese Zeit mit vermehrten Wartezeiten aufgrund verringertem Personalaufkommens zu rechnen ist. Dies scheint fast wie stiller Boykott traditioneller Freigeister inmitten der Veränderung. Warum also nicht gleich der eigenen Freiheit weiter Raum gewähren?

Italienische Mahlzeiten sind nicht nur eine heilige Zeit für Familie und Freunde, sondern auch eine solche der Freude und Freizeit. Hierzulande gibt es das Sprichwort: “a tavola non s’invecchia” – am Tisch wird man nicht alt. Je länger man hier verweilt, desto besser. Mahlzeiten stehen symbolisch für Ankommen und Loslassen im Ambiente von Entspannung, Genuss und zwischenmenschlicher Begegnung, von der Vorspeise über das Dessert bis zum Espresso danach. Sie sind ein Akt, mit Anfang, Höhepunkt und Schluss, in welchem aktive Teilhabe den Takt vorgibt und dem sich jeder Teilnehmer ergibt, sich fast schon in ihm wiegt, weil Tradition genau das tut. Sie gibt uns das Gefühl von Beständigkeit, von Verlässlichkeit und Sicherheit – Bedürfnisse, die uns die schnelle Welt zunehmend entreißt.

Im zeitlosen Intervall freier Plauderei erfährt man sich selbst über den jeweils anderen – la famiglia spricht über die aktuellen Themen der Welt, der italienischen und der darüber hinaus, doch hält auch Klatsch und Tratsch. Selbstverständlich erfährt man auch viel über das Essen, welches in seinen vielseitigen Facetten die Atmosphäre mit gestaltet: allem voran sein Geschmack, aber auch Farben und Formen, nicht zuletzt das unvergessliche Gefühl auf der Zunge – ein Gaumenschmaus, welcher fröhliche Debatten über das beste Essen, Mamas ganz eigene Art und mögliche Neukompositionen anregt. Al dente ist Tradition, doch Tradition bewegt sich im jungen Italien – am Familientisch kommen jung und alt zusammen und gestalten vor dort die Gesellschaft mit. Sie wollen italienisches Familienflair einfangen bzw. mit anderen teilen? Kommen Sie ins Solino. Wir gestalten gerne mit Ihnen zusammen den Rahmen.